In einem der schönsten Täler der Insel La Gomera, im Valle Gran Rey, liegt die Finca Argaga mit ihrem Fruchtgarten. Mehr als 160 tropische und subtropische Bäume und Pflanzen wachsen hier. Seit 17 Jahren betreibt das Ehepaar Schrader den Garten mit exotischen Früchten in einer Schlucht im Süden der Insel. Trotz der rauen, unbezähmbaren Berge und tiefen Schluchten sind die Kanaren sehr fruchtbar. Rosita Schrader: "Als wir vor 17 Jahren hierher kamen, mussten wir einen Geröllhang urbar machen, terrassieren, damit ein kleiner Garten entsteht. Dann wurde er größer, weil es so viele Sachen gibt, die hier gedeihen."
Hinter dem Örtchen Vueltas läuft man etwa 1 Kilometer zwischen Meer und Felsen entlang, bis man auf das Hinweisschild des Argaga-Fruchtgartens stößt.
Pflanzen aus aller Welt
Viele der Pflanzen haben die Schraders auf den Kanaren gefunden, andere haben sie von Reisen nach Brasilien, Florida oder Israel mitgebracht. In Argaga wachsen Avocados, Cherimoya und Guaven, selbst die japanische Wollmispel kann man bestaunen. In Deutschland ist die Wollmispel noch nicht so bekannt, weil sie schwer zu transportieren ist. Sobald die gelbe Frucht aneckt, bekommt sie braune Flecken. Nur die wirklich reifen Früchte, die ihre Säure verloren haben, schmecken richtig lecker. Zum Beispiel in einem Milchshake, mit etwas Zucker und Eis verrührt, oder als Saft und Marmelade. Die Wollmispel riecht und schmeckt leicht nach Apfel.
Süßer Papayakuchen
Die baumförmige Papayastaude wird auch Melonenbaum genannt, denn die aus Mittelamerika stammende Frucht ähnelt der Melone. Die Papaya sollte niemals grün geerntet werden, da sie nicht mehr nachreift. Rosita Schrader: "Eine gut schmeckende Papaya ist vollreif und sollte richtig gelb sein. Sie lässt sich dann aber nur schwer transportieren. Wenn man eine Papaya erwischt, die noch recht grün ist, kann man sie immer noch als Kohlrabigemüse verwerten."
In der Bar "La Romantica" in Vallehermoso im Inneren der Insel ist Papayakuchen sehr beliebt: Die Fruchtstreifen werden auf Mürbeteig gebettet und mit Zuckerwasser und Marmelade übergossen. Der köstliche Kuchen wird gern nach dem Essen zum Dessert serviert.
Vielseitige Kapstachelbeere
Im Fruchtgarten Argaga wächst auch die Physalis, eine goldgelbe Frucht, die im Inneren von kleinen, hauchzarten Lampions verborgen ist. Sie gedeiht an einer 1 Meter hohen, krautigen Pflanze, die auch bei uns in heimischen Gärten gezogen werden kann. Rosita Schrader: "Die Physalis peruvianes kommt ursprünglich aus Peru, sie heißt auch Andenbeere. Aber die ersten Früchte kamen nach Europa aus Südafrika, wo sie ebenfalls angebaut wird. Da der Geschmack an Stachelbeere erinnert, hat man sie cape gusberry, sprich Kapstachelbeere genannt." Man kann die an Vitamin A, B und C reiche Frucht zu Konfitüre oder Eis verarbeiten, im Rumtopf, als Tortenbelag oder als Dekoration für Dessertteller verwenden.
Schwer zu knacken: Macadamia
Die von vielen als wohlschmeckendste Nuss der Welt gepriesene Macadamia stammt ursprünglich aus Australien. Durch mehrere Hüllen muss man sich durcharbeiten, bis der essbare Kern zum Vorschein kommt. Hier versagt jeder Nussknacker, warnt Rosita Schrader: "Das Problem der Macadamia ist, dass sie sehr hart ist und wahnsinnig schwer zu knacken. Da sie so fetthaltig ist, muss sie zum Aufheben luftdicht verpackt werden." Geröstet und gesalzen schmeckt sie am besten. Da die Nachfrage nach der Macadamia das Angebot übersteigt, muss man bei uns schon mal 2,50 Euro für 100 Gramm bezahlen.
Ökoparadies
Bei der Pflege des Gartens verwenden die Schraders keine synthetischen Hilfsmittel: Kunstdünger und giftige Pflanzenschutzmittel sind tabu. Den Dünger stellt das Ehepaar selbst her, und um einem Befall der Pflanzen vorzubeugen, wird angestochenes Obst zunächst gesammelt und unter Luftabschluss gelagert, bis die enthaltenen Würmer tot sind. Erst dann wird kompostiert. Hier ist alles echt "bio": Strom und Warmwasser bezieht das Ehepaar aus Solarenergie.
Führungen zweimal die Woche
Ursprünglich wollten Rosita und Gerd Schrader den Obst- und Gemüsegarten nur für ihre eigenen Zwecke anlegen. Doch das Interesse an den Pflanzen war einfach zu groß. Deshalb entschloss sich das Ehepaar, Führungen durch die Terrassen anzubieten. Heute können Besucher das Terrain zweimal wöchentlich ansehen und zu den spannenden Erzählungen von Rosita Schrader leckere, exotische Früchte probieren (Besuchszeiten: Dienstag und Freitag). Wenn Gäste aus dem Ausland den Fruchtgarten besuchen, freut sich die Pflanzenliebhaberin ganz besonders, wenn sie ihr einen seltenen Steckling mitbringen.
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